
Wenn ich mir das Konzept des Anti Hustle Clubs von Christina Lopez und Laura Bottin ansehe, glaube ich: Es wäre großartig, wenn daraus eine echte Bewegung entstehen würde. Das wäre um Längen sinnvoller als diese ständige „Open to Work“-Welle auf Plattformen wie LinkedIn oder Instagram.
Seit etwa einem Jahr sieht man dort ständig diesen grünen „Open to Work“-Badge. Vor allem Frauen aus dem mittleren Management schreiben dann ganz zerknirscht: „Es hat mich viel Überwindung gekostet, aber jetzt bin auch ich arbeitslos. Bitte helft mir, einen neuen Job zu finden!“ In den Kommentaren heißt es dann sofort: „Ich kenne Maja seit zehn Jahren, kann sie nur empfehlen! Ich habe zwar selbst keine Stelle, aber poste das für die Reichweite.“
Oberflächlich betrachtet wirkt das nach menschlichem Mitgefühl und Solidarität. Aber wenn man das mal nüchtern analysiert: Ein neuer Job im selben Hamsterrad löst doch keines unserer eigentlichen Probleme. Wir haben hier ein zutiefst systemisches Problem. Wer nicht erkennt, wie morsch dieses System längst ist, dreht sich ewig im Kreis.
Die Antwort auf diese Krise kann doch nicht „Open to Work“ sein. Die eigentliche Ansage müsste lauten: „Ich habe gekündigt! Schluss mit der Ausbeutung, Schluss mit der Drangsalierung und der Unehrlichkeit!“ Wenn mehr Menschen diesen Mut aufbringen und wir eine kritische Masse erreichen, erzwingen wir die nötigen Kipppunkte für eine echte Erneuerung. „Open to Work“ ist dagegen nur der verzweifelte Versuch, ein längst überfälliges, morsches System künstlich am Leben zu halten.
