
Wer gelernt hat, dass Deutschland ein Rechtsstaat mit intrinsischem Respekt vor Regeln ist, sieht heute einen besorgniserregenden Wandel. Wir hielten Regeln lange nicht aus Zwang ein, sondern aus Einsicht, dass eine Gemeinschaft nur so funktioniert. Doch veraltete Gesetze – teils noch aus dem Kaiserreich stammend – verfehlen zunehmend die Realität. Wenn Städte das Falschparken an Kreuzungen tatenlos hinnehmen, weil unzählige Stehzeuge die Straßen verstopfen, hat der Rechtsstaat vor der eigenen Überforderung kapituliert. Ähnlich ergeht es Solo-Selbstständigen oder neuen Projekten wie einem Coworking-Space in Lindenau: Die starre Impressumspflicht zwingt dazu, teure Büroadressen für eine ladungsfähige Anschrift anzumieten oder Privatadressen in Grauzonen zu schützen. Wenn Vorgaben praxisfremd oder unbezahlbar werden, erodiert der gesellschaftliche Konsens zur Einhaltung von Regeln.
