
Ende der 90er-Jahre war kollektiver Austausch in Bildungsprojekten noch eine Selbstverständlichkeit: Dozierende nutzten Foren, tauschten Lehrmaterialien aus und banden Lernende aktiv in offene Diskussionen ein. Heute erleben wir selbst bei aufwendig gestaltetem Onboarding und frei bereitgestellten Ressourcen in digitalen Gruppen oft nur noch komplette Sprachlosigkeit. Selbst in internationalen Teams verharren viele Beteiligte in einer tiefen Passivität – ohne Rückmeldung, ohne Interaktion und ohne Interesse am Aufbau einer funktionierenden Gemeinschaft. Das geschieht meist nicht aus böser Absicht, offenbart aber ein alarmierendes gesellschaftliches Phänomen: Wir verlehren die grundlegendsten Verhaltensweisen einer offenen, kooperativen und demokratischen Kultur.
