Team Building
Humanity at HER Best

38. Wenn Schweigen mehr wehtut als Widerspruch: Warum wir das Miteinander neu lernen müssen

Veröffentlicht am
September 16, 2026

Ich habe mir vor Kurzem einen LinkedIn-Beitrag von Iman Rahmani durchgelesen. Iman ist vor einigen Jahren aus dem Iran geflohen, ist durch unser Bildungssystem marschiert, hat Deutsch als Fremdsprache studiert und macht heute einen großartigen Job. In seinem Post schreibt er darüber, dass Sprache der erste Schritt zum echten Ankommen ist. Da gebe ich ihm vollkommen recht. Aber als ich den Beitrag sah, blieb mein Blick an etwas anderem hängen: Der Post hatte zwei Likes – einer kam von mir, der andere von Ina.  

Das hat mich tief zum Nachdenken gebracht, denn Ina hat Iman überhaupt erst durch mich und durch unser UNO.TEAM kennengelernt. Ich habe über Monate eine WhatsApp-Gruppe gepflegt, habe dort meine Gedanken, Ideen und Einladungen zu unseren Genossenschaftstreffen geteilt, um ein echtes Team zu formen. Ich wollte Räume schaffen, in denen wir gemeinsam etwas aufbauen. Doch bei dem Versuch, dieses Team wirklich zusammenzuschweißen, bin ich auf Granit gestoßen.  

Es ist eine merkwürdige und traurige Dynamik. Die Personen, die ich zusammengebracht habe, tauschen sich jetzt untereinander aus, aber mir gegenüber herrscht komplettes Schweigen. In der Gruppe gab es über Monate hinweg null Feedback, kein einziges Like, kein Wort – ich wurde schlichtweg ignoriert und geghostet. Mein Ego spielt dabei überhaupt keine Rolle. Was mich daran wirklich schmerzt und traurig macht, ist diese Form des Sich-Wegdrehens.  

Ich finde es um ein Vielfaches schlimmer, wenn jemand schweigt und sich entzieht, als wenn mir jemand direkt ins Gesicht sagt: „Hey Torsten, damit bin ich überhaupt nicht einverstanden.“ Ein offener Widerspruch ist ehrlich, daran kann man wachsen und reiben. Aber Ghosting hinterlässt ein Vakuum. Wir sollten doch in der Lage sein, zusammenzustehen und unsere vielleicht unterschiedlichen Arten und Weisen zu kommunizieren außen vor zu lassen. Die Kommunikationsform darf doch nicht die Priorität sein, wenn es um die gemeinsame Sache geht.  

Auf einer persönlichen Ebene finde ich dieses Verhalten bedenklich, aber vor allem auf einer gesellschaftlichen Ebene ist es ein riesiges Problem. Menschen wie Ina und Iman, die neu bei uns angekommen sind, tragen so viel Potenzial in sich. Sie müssten sich doch eigentlich mit uns vernetzen, und wir uns mit ihnen, um starre Hierarchien aufzubrechen. Wenn aber eine Prägung oder Sozialisierung dazu führt, dass man bei einem ehrlichen Angebot von Humanity at HER BEST dichtmacht und maultot reagiert, verpassen wir die Chance auf ein echtes „Wir“. Es tut mir im Herzen weh zu sehen, wie leichtfüßig diese Verbindung ignoriert wird, anstatt einfach ins Gespräch zu gehen und gemeinsam herauszufinden, was wir füreinander sein können.