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Thought #86: Ermessen im Amt und die späten Tage der DDR

Veröffentlicht am
September 22, 2026

Die Macht des Staates ist am Ende nur die Summe der Bequemlichkeit einzelner Personen. Jeder Sachbearbeiter in einer Behörde hat einen Ermessensspielraum, eine Stellenbeschreibung und einen inneren Kompass. Wenn dort Roboter säßen, bräuchte man keine Menschen. Aber in den Behörden wird weggeschaut, weil Anpassung einfacher ist.  

Das erinnert stark an die letzten Monate der DDR: Die Mehrheit bekannte sich starr zum Sozialismus, obwohl längst jeder wusste, dass das Ganze nur noch vorgespielt war. Nach der Wende waren 90 % der SED-Mitglieder plötzlich verschwunden. Heute erleben wir dieselbe Lebenslüge rund um den klassischen Job: Alle tun so, als sei die Festanstellung der einzige Weg, und wer keinen Job findet, sei selbst schuld und faul. Wer in Behörden dieses veraltete Spiel mitspielt und wegsieht, macht sich mitverantwortlich.

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