
In den letzten Wochen ist mir im Straßenbild von Leipzig – vor allem im Feierabendverkehr zwischen 16:30 und 17:30 Uhr – etwas sehr deutlich aufgefallen: Es sind überwiegend junge Mütter, die mit dem Fahrrad, Lastenrad oder Kindersitz ihre Kinder aus der Kita holen. Manche haben zwei oder drei Kinder und sogar noch den Hund dabei, während eine Drei- oder Vierjährige eigenständig vorwegfährt.
Das erfordert eine enorme mentale Leistung und absolute Hochkonzentration. Diese Frauen müssen ungeachtet von Müdigkeit oder Stress fokussiert bleiben, wenn sie ohne Knautschzone durch den dicht besetzten Stadtverkehr navigieren. Demgegenüber stehen viele Väter, die eher im zwei bis drei Tonnen schweren SUV unterwegs sind – geschützt durch moderne Assistenzsysteme, eine erhöhte Sitzposition und eine gewaltige Knautschzone. Hier wird im Alltag sichtbar, dass das Patriarchat und eine ungleiche Verteilung von Sorgearbeit (Mental Load) nach wie vor die Norm sind.
Besonders absurd wird dieses Bild, wenn man es mit den Propagandabildern der AfD vergleicht. Dort wird künstlich die „treusorgende, adrette Mutter“ gegen die angeblich „faule, linksgrün-versiffte Frau“ ausgespielt. Diese gezielte Herabwürdigung erinnert fatal an historische Strategien der 1930er-Jahre, als völkische Ideologen Menschen in Rassen-Schablonen pressten und Abweichungen diffamierten.
Die Realität auf Leipzigs Straßen widerlegt diese verstaubten Feindbilder gründlich. Viele dieser Frauen treffen trotz akademischer Hintergründe oder finanzieller Möglichkeiten die bewusste Entscheidung gegen das Auto und für das Fahrrad – für Klimaschutz, Freiheit und gelebte Verantwortung. Sie stehen für progressive Werte und zeigen jeden Tag, wie echter Einsatz für den Nachwuchs aussieht.
Fakten-Check:
