
Von Erin Remblance (Beyond Duality) habe ich auf LinkedIn ein treffendes Zitat aufgegriffen:
Es ist erstaunlich, wie viele Menschen den Kapitalismus verteidigen, ohne überhaupt zu wissen, was er eigentlich ist. Wie der Ökonom Jason Hickel in seinem Buch Less is More darlegt, ist Kapitalismus eben nicht einfach nur Handel und Märkte. Märkte und Tauschhandel existieren seit Jahrtausenden – der Kapitalismus hingegen ist erst etwa 500 Jahre alt.
Sein entscheidendes Merkmal ist die systematische Entstehung von Enclosures und künstlicher Verknappung (artificial scarcity). Vor rund fünf Jahrhunderten begann in England die gewaltsame Einhegung der Allmende, der sogenannten Commons. Den Menschen wurden die natürlichen Lebensgrundlagen entzogen und eingezäunt, um sie systematisch dazu zu zwingen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, für andere zu schuften und das bloße Überleben zu sichern.
Kapitalismus funktioniert bis heute genau über diesen Mechanismus: Wenn Ressourcen künstlich verknappt und Zugänge versperrt werden, geraten Bürgerinnen in Abhängigkeit. Wenn wir über echte Alternativen sprechen wollen, müssen wir genau diese historischen Einhegungen aufbrechen und Räume schaffen, die wieder allen Denkerinnen frei zur Verfügung stehen.
