Soziokratie
Power Imbalance

Thought #149: Der Lebenszyklus der Parteien – Warum der parlamentarische Parteienstaat ausgedient hat

Veröffentlicht am
September 26, 2026

Als ich mir am Abend des 7. September 2026 die Fernsehsendung Hart aber fair angeschaut habe, musste ich irgendwann abschalten. Die AfD hatte bei der Landtagswahl ein historisches Ergebnis von 44 Prozent eingefahren, und die Vertreterinnen von BSW, Linke, SPD, CDU und AfD beschuldigten sich am Tisch stundenlang nur gegenseitig. Es ging um kein einziges Sachthema, sondern nur darum, wer wen über den Tisch gezogen hat.

Dabei zeigen sich zwei grundlegende Probleme: Erstens schaltet die Generation Z und die Generation Alpha solche Formate des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt nicht mehr ein. Egal, was dort debattiert wird – die jungen Denkerinnen, um deren Zukunft es eigentlich geht, erreicht diese Debatte gar nicht mehr. Zweitens wird keine dieser Parteien, egal in welcher Konstellation, die heutigen gesellschaftlichen Umbrüche bewältigen können.

Unser parlamentarisches Parteiensystem entstammt dem Industriezeitalter. Die SPD wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, um die Interessen der Arbeiterinnenklasse zu vertreten, die durch die industrielle Revolution und Fließbandarbeit entstanden war. Doch diese klassische Arbeiterinnenklasse löst sich durch Technologie und den Niedergang traditioneller Konzerne wie VW schlichtweg auf. Jedes System und jede Organisation durchläuft einen natürlichen Lebenszyklus: Geburt, Wachstum, Zenit, Niedergang und schließlich das Verschwinden. Der historische Auftrag von Altparteien wie CDU und SPD ist erfüllt – ihr Zyklus geht zu Ende. Selbst neue Parteiansätze wie Volt verfangen am Ende in den Spielregeln eines Parteiensystems, das von Lobbyismus und der Kontrolle verknappter Ressourcen getrieben wird.

‍