
Meine Großeltern haben mir ein zentrales Thema für mein Leben mitgegeben: Ihr eigenes Versagen lag für sie darin, den Faschismus nicht verhindert zu haben. Sie sahen es als direkte Aufgabe der nachfolgenden Generationen, eine solche Entwicklung unter allen Umständen zu verhindern. Faschismus fällt nicht plötzlich vom Himmel; er ist das Endstadium eines schleichenden Prozesses. Er beginnt lange vor den großen Katastrophen – mit alltäglicher Demütigung, gezielter Abwertung und der systematischen Entwürdigung von Menschen. Die Warnzeichen nur stumm zu analysieren reicht nicht aus. Meine Verantwortung als Staatsbürger und als Erbe meiner Großeltern ist es, diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und offen beim Namen zu nennen.
