
Es gibt eine Methode, die mir besonders am Herzen liegt, wenn wir über echte basisdemokratische Entscheidungen sprechen – sei es in Genossenschaften, in der Soziokratie oder bei gemeinschaftsbasierten Projekten (Community-based Projects).
Oft wird geglaubt, dass gute Ideen aus dem englischsprachigen Raum stammen müssen. Doch dieses spezielle Abstimmungsverfahren wurde in den 1980er und 90er Jahren von zwei österreichischen Mathematikern und Softwareentwicklern im deutschsprachigen Raum entwickelt.
(Hinweis: Im ursprünglichen Diktat hatte ich mich kurz versprochen und von „systematischem Konsumieren“ oder „Konzentrieren“ gesprochen. Dank meiner digitalen Sparringspartnerin korrigieren wir das hier direkt: Die Methode heißt offiziell Systemisches Konsensieren.)
In herkömmlichen Systemen stimmen wir meistens mit „Ja“ oder „Nein“ ab. Doch das hat einen riesigen Haken: Eine knappe Mehrheit bestimmt über die Minderheit. Am Ende wird die Minderheit gezwungen, mit einem Kompromiss zu leben, mit dem sie überhaupt nicht einverstanden ist. Das erzeugt Frust, Spaltung und blockiert die Zusammenarbeit im Team.
Beim Systemischen Konsensieren drehen wir den Spieß komplett um. Wir messen nicht die Zustimmung, sondern den kollektiven Widerstand.
Warum? Weil die Option, gegen die es den geringsten Widerstand in der Gruppe gibt, automatisch diejenige ist, die der Akzeptanz aller am nächsten kommt. Es geht nicht darum, wer am lautesten „Ja“ schreit, sondern darum, welche Lösung für alle Beteiligten am tragbarsten ist.
Das Verfahren ist denkbar einfach und lässt sich in vier Schritten erklären:
Ich bin mir sicher, dass Diana Osterhage diese Methode ebenfalls kennt und nutzt. Sie hat vor einigen Jahren eine bundesweite neue Partei mitgegründet (aus der sie später mit ihrem Lebensgefährten wieder ausgetreten ist) und dort mit diesen basisdemokratischen Ansätzen gearbeitet.
Für uns beim UNO.TEAM is klar: Wir werden das Systemische Konsensieren schrittweise bei uns einführen und es auch in unseren Kursen weiterverbreiten. Es wird ein fester, unverzichtbarer Bestandteil unseres Projektes Reallabor Leipzig-Plagwitz sein.
Wenn wir ein starkes, solidarisches Kollektiv aufbauen wollen, das sich gegen neoliberales Konkurrenzdenken und starre Hierarchien wehrt, müssen wir auch lernen, Entscheidungen auf Augenhöhe zu treffen. Das Systemische Konsensieren gibt uns genau das Werkzeug dafür an die Hand – ohne Gewinner und Verlierer, sondern im gemeinsamen Konsens.
