Team Building
Thinking Patterns

11. Systemisches Konsensieren: Wie wir im UNO.TEAM Entscheidungen treffen, die alle tragen

Veröffentlicht am
September 14, 2026

Es gibt eine Methode, die mir besonders am Herzen liegt, wenn wir über echte basisdemokratische Entscheidungen sprechen – sei es in Genossenschaften, in der Soziokratie oder bei gemeinschaftsbasierten Projekten (Community-based Projects).

Oft wird geglaubt, dass gute Ideen aus dem englischsprachigen Raum stammen müssen. Doch dieses spezielle Abstimmungsverfahren wurde in den 1980er und 90er Jahren von zwei österreichischen Mathematikern und Softwareentwicklern im deutschsprachigen Raum entwickelt.

(Hinweis: Im ursprünglichen Diktat hatte ich mich kurz versprochen und von „systematischem Konsumieren“ oder „Konzentrieren“ gesprochen. Dank meiner digitalen Sparringspartnerin korrigieren wir das hier direkt: Die Methode heißt offiziell Systemisches Konsensieren.)

Das Problem herkömmlicher Mehrheitsentscheidungen

In herkömmlichen Systemen stimmen wir meistens mit „Ja“ oder „Nein“ ab. Doch das hat einen riesigen Haken: Eine knappe Mehrheit bestimmt über die Minderheit. Am Ende wird die Minderheit gezwungen, mit einem Kompromiss zu leben, mit dem sie überhaupt nicht einverstanden ist. Das erzeugt Frust, Spaltung und blockiert die Zusammenarbeit im Team.

Beim Systemischen Konsensieren drehen wir den Spieß komplett um. Wir messen nicht die Zustimmung, sondern den kollektiven Widerstand.

Warum? Weil die Option, gegen die es den geringsten Widerstand in der Gruppe gibt, automatisch diejenige ist, die der Akzeptanz aller am nächsten kommt. Es geht nicht darum, wer am lautesten „Ja“ schreit, sondern darum, welche Lösung für alle Beteiligten am tragbarsten ist.

So funktioniert die Methode in der Praxis (0 bis 10 Punkte)

Das Verfahren ist denkbar einfach und lässt sich in vier Schritten erklären:

  1. Problem definieren & Optionen sammeln: Alle denkbaren Lösungsvorschläge für ein Problem werden gleichwertig auf den Tisch gelegt.
  2. Widerstand messen (Die Punktevergabe): Jede Person im Team hat pro Option maximal 10 Punkte zur Verfügung, um ihren inneren Widerstand auszudrücken:
    • 0 Punkte bedeutet: „Ich habe überhaupt keinen Widerstand gegen diesen Vorschlag. Ich trage ihn voll mit.“
    • 10 Punkte bedeutet: „Ich habe maximalen Widerstand. Diese Option ist für mich völlig inakzeptabel.“
    • Die Werte dazwischen (1 bis 9) erlauben eine feine Abstufung des persönlichen Unbehagens.
  3. Punkte zusammenrechnen: Für jede Option werden die Widerstandspunkte aller Teilnehmer addiert. Es entsteht eine Gesamtsumme des kollektiven Widerstands.
  4. Die Entscheidung: Die Option mit der geringsten Summe an Widerstandspunkten gewinnt. Sie hat die höchste Akzeptanz im Team

Warum wir das im UNO.TEAM und im Reallabor anwenden

Ich bin mir sicher, dass Diana Osterhage diese Methode ebenfalls kennt und nutzt. Sie hat vor einigen Jahren eine bundesweite neue Partei mitgegründet (aus der sie später mit ihrem Lebensgefährten wieder ausgetreten ist) und dort mit diesen basisdemokratischen Ansätzen gearbeitet.

Für uns beim UNO.TEAM is klar: Wir werden das Systemische Konsensieren schrittweise bei uns einführen und es auch in unseren Kursen weiterverbreiten. Es wird ein fester, unverzichtbarer Bestandteil unseres Projektes Reallabor Leipzig-Plagwitz sein.

Wenn wir ein starkes, solidarisches Kollektiv aufbauen wollen, das sich gegen neoliberales Konkurrenzdenken und starre Hierarchien wehrt, müssen wir auch lernen, Entscheidungen auf Augenhöhe zu treffen. Das Systemische Konsensieren gibt uns genau das Werkzeug dafür an die Hand – ohne Gewinner und Verlierer, sondern im gemeinsamen Konsens.