Thought #417: „Die IT ist tot“ vs. das 87-Prozent-Märchen

Veröffentlicht am
October 15, 2026

Bei meinen Einsätzen als Sprachmittler im Jobcenter erlebe ich in diesen Tagen ein groteskes Paradoxon. Junge Menschen aus der Ukraine halten nach langem Anerkennungsverfahren endlich ihren Bescheid in den Händen: Ihr Abschluss wird in Deutschland vollwertig dem Fachinformatiker gleichgesetzt. Doch immer mehr Sachbearbeiterinnen sagen ihnen ins Gesicht: „Die IT ist tot.“ Fachinformatiker hätten keine Chance mehr, weil die KI alles kaputtmache.  

Wie passt das zusammen? Einerseits erklärt das System jungen Menschen mit einer mehrjährigen, fundierten Informatik-Ausbildung, ihr Beruf sei am Ende. Andererseits finanziert genau dasselbe System 4-Wochen-Schnellkurse, knallt fachfremden Menschen ein paar englische IT-Begriffe um die Ohren und lässt Bildungsträger mit dem Märchen werben, 87 Prozent der Teilnehmenden würden danach sofort einen festen Job finden!  

Das hat nichts mit jener Wahrhaftigkeit zu tun, die in der Bahá’í-Religion als Fundament aller Tugenden verankert ist und die jede gesunde Gesellschaft braucht. Wahrhaftigkeit verlangt, diesen organisierten Selbstbetrug zu beenden und echte Qualifikation wieder ernst zu nehmen.  

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🤖 Quiz zu Thought #417

Welchen Widerspruch deckt der Autor durch seine Arbeit als Dolmetscher im Jobcenter auf?

A) Dass ausländische Abschlüsse in Deutschland grundsätzlich nicht geprüft werden.

B) Während voll ausgebildeten ukrainischen Fachinformatikern gesagt wird, die IT-Branche sei durch KI „tot“, werden gleichzeitig 4-Wochen-Schnellkurse mit unrealistischen 87-%-Jobversprechen staatlich finanziert.  

C) Dass im Jobcenter keine Computer mehr benutzt werden dürfen.

D) Dass alle IT-Fachkräfte sofort verbeamtet werden.

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💡 Auflösung: Richtig ist B. Es widerspricht jeder Wahrhaftigkeit, fundierte Ausbildungen für chancenlos zu erklären und gleichzeitig mit Steuergeldern vierwöchige Schnellkurse als sicheren Karriereweg zu verkaufen.  

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