
Auf WDR habe ich die Reportage „Ukraine – Hilfe für ein versehrtes Land“ gesehen. Darin geht es um die Berliner Hilfsorganisation „Life Bridge Ukraine“, die von Janine von Wolfersdorff gegründet wurde. Wer diese Reportage sieht und Herz hat, dem kommen die Tränen. Da ist zum Beispiel der erst 24-jährige Zhenya, der beide Beine und einen Unterarm verloren hat und sich trotzdem durch unzählige OPs zurück ins Leben kämpft. Oder Vitalii Saiko-Kazakow, ebenfalls beidseitig beinamputiert, der dank der Prothesen und harter Arbeit nun wieder mit seinem Sohn Fußball spielen kann. Ein anderer Soldat, ein ehemaliger Industriekletterer, sagte trotz seiner Amputationen, er müsse zurück an die Front, um seiner Armee zu helfen.
Die Organisation belässt es nicht bei der Erstversorgung in Berlin, sondern bildet junge ukrainische Fachkräfte wie die 22-jährige Physiotherapeutin Anastasiia Tkach aus. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe. Im Herbst 2025 wurde aus einer ehemaligen „Müllhalde“ im Keller des Kiewer Krankenhauses No. 12 eine topmoderne Prothesenwerkstatt. Es ist ein unglaublicher Überlebenswille in einem versehrten Land. Auch ich habe einen engen Bekannten, den ich seit 1999 persönlich kenne – ein Offizier, der seit März 2022 an der Front kämpft, während seine Frau und seine Tochter Schutz in Chemnitz gefunden haben.
Zum Glück unterstützt Deutschland die Ukraine heute im Kampf gegen den Aggressor, aber ich frage mich: Wo waren all die Unterstützer damals, als ein Bundeskanzler Gerhard Schröder einen der schlimmsten Kriegsverbrecher unserer Zeit im Bundestag sprechen ließ und ihn als „lupenreinen Demokraten“ verharmloste?
Jedem mit klarem Verstand war von Anfang an klar, was für ein Typ Putin ist. Als er an die Macht kam, ließ er Tschetschenien zerbomben, machte Grosny dem Erdboden gleich und beging schwere Kriegsverbrechen. Eine der ersten Journalistinnen, die das aufdeckte – Anna Politkowskaja –, ließ er eiskalt ermorden. Das trägt die Handschrift des KGB, der in der direkten Tradition von Tscheka, NKWD, dem roten Terror, den stalinistischen Säuberungen in der Lubjanka und der zaristischen Geheimpolizei steht. In diesem System ist Putin großgeworden, und in dieser Tradition hat er die Opposition systematisch dezimiert: von Politkowskaja über Litwinenko und Nemzow bis hin zu Nawalny.
Und was hat Deutschland in all diesen Jahrzehnten getan? Wir haben Putin gefeiert, solange der Rubel rollte und billiges Gas sprudelte. Großkonzerne haben fette Geschäfte gemacht und der Politik diktiert, wo es langgeht. Selbst Angela Merkel, die als nicht korrupt galt, hat das Geopolitik-Projekt Nord Stream 2 mit durchgedrückt, obwohl völlig klar war, dass es dazu diente, die Ukraine zu unterjochen, Polen zu umgehen und Europa erneut zwischen Deutschland und Russland aufzuteilen.
Es ist primitiv, traurig und zutiefst beschämend. Ich schäme mich manchmal, Deutscher zu sein, weil wir aus unserer eigenen Geschichte rein gar nichts gelernt haben. Auf Menschenrechte und Frieden wurde gepfiffen, solange die Profitrate stimmte. Unsere historische Verantwortung wäre es gewesen, diesen Kriegsverbrecher rechtzeitig zu stoppen. Stattdessen schauen wir selbst jetzt, fünf Jahre nach Beginn des großflächigen Angriffskrieges, noch immer viel zu oft weg, während jede Nacht hunderte Menschen an der Front und in den Städten sterben. Das ist ein historisches Versagen auf ganzer Linie.
