Thought #397: Manpower völlig ausgepowert

Veröffentlicht am
October 10, 2026

Auf LinkedIn ist mir heute das Profil von Meliha Jusic begegnet. Sie ist eine junge, engagierte Akademikerin mit Migrationshintergrund, augenscheinlich in der oberen Mittelschicht angekommen. Ihr Slogan lautet „Talent Acquisition Partner on behalf of SAP“ und sie arbeitet für die ManpowerGroup.  

Vor einem Tag hat sie einen Post veröffentlicht: „WANTED – Ein Job für meinen Papa!“ Sie beschreibt ihren 59-jährigen Vater als wahren Helden, der immer angepackt habe, extrem fleißig sei, keine Däumchen drehen wolle und immer arbeiten wollte. Doch er findet nach der Insolvenz seines letzten Arbeitgebers einfach keinen Job mehr.  

Was ich hier so bezeichnend finde: Wenn es eine Fach-Recruiterin von Manpower schon nicht mehr schafft, für ihren eigenen, extrem handwerklich begabten Vater einen Job als Hausmeister zu finden – dann ist doch das System völlig am Ende. Das ist eine Bankrotterklärung schlechthin.  

Da hatte David Graeber mit seiner Analyse vor über zehn Jahren in „Bullshit Jobs“ völlig recht. Damals gab es wenigstens noch Jobs – auch wenn es Bullshit-Jobs waren. Heute gibt es nicht mal mehr Bullshit-Jobs von Manpower.  

Es wird sogar noch makabrer: Meliha teilt in einem weiteren Beitrag, dass ihr Bruder Mirnes – laut ihrer Aussage selbst ein „Top-Recruiter“ – aktuell ebenfalls einen Job sucht. Ein Top-Recruiter, der für sich selbst keinen Job findet. Das grenzt schon an Realsatire.  

Das zeigt doch deutlich: Die neoliberale Ausbeutungsmaschine ist am Ende. Da sage ich nur: Anti Hustle Club. Hört auf mit diesem Unsinn. Macht euch ehrlich und gesteht euch ein, dass es mit diesen Jobs nicht mehr funktioniert.  

PS: Ich finde den Firmennamen „Manpower“ eigentlich katastrophal. Da kommt so richtig das Patriarchat durch. Also nicht mal „Men“ in der Mehrzahl, sondern „Man“ – ein Mann. Klar, im Englischen steht „Man“ oft auch für den Menschen allgemein, aber das sieht ja niemand auf den ersten Blick. Da hätte man dann schon „Human Power“ nehmen müssen, aber doch nicht Manpower. Auch da zeigt sich wieder: Das Patriarchat ist am Ende.

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