Thought #395: Der „Carbon Pulse“ und warum unsere Energie in Bürgerhand gehört

Veröffentlicht am
October 9, 2026

Ich habe eine Einladung bekommen: „Gemeinsam erneuerbare Energien im Landkreis Leipzig gestalten.“ Das Vernetzungstreffen findet am 28. Oktober in Cröbern am Störmthaler See statt. Daniel Hirsch hat dazu eingeladen. Wir werden uns austauschen, die lokalen Energieanlagen besichtigen und über gemeinsame Projekte sprechen.

Besonders spannend: Es gibt mittlerweile eine Energiegenossenschaft Leipzig (EGL eG). Sie ist eng mit dem BUND Landesverband Sachsen verbunden, Aufsichtsratsvorsitzende ist Dr. Friederike Frieler. Ich finde diese Entwicklung extrem positiv. Energie ist die wohl größte Herausforderung unserer Zeit.

Unser komplettes modernes Leben baut darauf auf, dass ständig Energie verfügbar ist. Wir haben uns daran gewöhnt und hinterfragen es kaum noch. Ich bin da ganz bei Nate Hagens. Auf seiner Plattform „The Great Simplification“ spricht er vom sogenannten „Carbon Pulse“. Er warnt davor, dass wir als moderne Gesellschaft einen entscheidenden Punkt völlig ausblenden: Unsere Institutionen, unsere Demokratie, unser Fortschritt – egal ob KI oder Mobilität – hängen komplett von billigen fossilen Energieträgern ab. Und dieses billige Öl – also Reserven, die man mit wenig Energieaufwand fördern kann – geht demnächst zur Neige.

Deshalb ist die Frage der Energieerzeugung für uns absolut überlebenswichtig. Energie muss erstens erneuerbar werden, vor allem durch Wind und Sonne. Zweitens – und das ist genauso wichtig – muss sie dezentral erzeugt werden.

Energie gehört in die Hand der Menschen vor Ort. Eines unserer größten Probleme ist doch, dass das Öl in den Händen weniger multinationaler Konzerne liegt. Das führt uns immer wieder in geopolitische Konflikte, besonders im Nahen Osten. Davon müssen wir weg.

Deshalb brauchen wir Energiegenossenschaften. Hier sehe ich eine direkte Verbindung zum CSX-Modell („Community Supported Economy“). Dr. Hannah Heller vom Myzelium-Netzwerk nennt das treffend „gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften“. Genauso wie in der Landwirtschaft brauchen wir jetzt zwingend eine „Community Supported Energy“.

Wenn wir unsere Energie nicht gemeinschaftlich organisieren, geraten wir immer tiefer in Abhängigkeiten. Wir verlieren unser Mitspracherecht und unseren Einfluss auf politische Entscheidungen. Deswegen freue ich mich sehr auf den Austausch am 28. Oktober und werde intensiv darüber berichten.

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