Wenn wir über die Transformation unseres Wirtschaftssystems nachdenken, müssen wir uns an eine einfache historische Tatsache erinnern: Das heutige parlamentarische System und die Parteienlandschaft sind erst mit der Industriellen Revolution entstanden. Das neolibere System, das Ressourcen ausbeutet und Ungleichheit verschärft, ist kein Naturgesetz. Über Jahrtausende hinweg war solidarisches Wirtschaften – das Teilen von Commons und das Prinzip der gemeinsamen Ökonomie (GemÖk) – das fundamentale Überlebensprinzip der Menschheit.
Heute formieren sich zwar viele wertvolle Initiativen, um Alternativen zu schaffen, doch die Bewegung leidet an einer tiefen Zersplitterung und der Bildung isolierter Silos:
- Ausschluss statt Gemeinwohl: Wenn ein „Gemeinwohl-Parlament“ in Leipzig (wie von Timo Meinhardt initiiert) feste Mitgliedsbeiträge von 60 Euro verlangt, schließt das genau jene Menschen aus, die im Jobcenter-System feststecken oder nach der Flucht auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Das ist kein echtes Gemeinwohl, sondern ein Angebot für eine privilegierte Nische.
- Gefangen in der eigenen Blase: Im Gespräch mit Vertretern des Konzeptwerks Neue Ökonomie wird deutlich, dass selbst zentrale Akteure Christian Felber und die GWÖ kaum kennen. Ähnliches zeigt sich bei Netzwerken wie dem Myzelium um Timo Wans, der Social Economy Berlin, dem Social Impact Hub oder dem Haus der Selbstständigen, das trotz millionenschwerer Förderung in neun Töpfen an mangelnder Transparenz und trägen Rückmeldungen leidet. Alle leisten gute Arbeit, bleiben aber unter sich.
- Bürokratische Hürden bremsem den Wandel: Wie Johanna Kühner im Kontext von GenoDigital aufzeigt, kostet die Gründung einer Genossenschaft aktuell rund 10.000 Euro und dauert bis zu einem Jahr. Diese bürokratischen Barrieren verhindern, dass gute Ansätze wie jener der RiffReporter schnell in der Breite Schule machen.
- Fehlende Konsequenz beim Teilen: Zur echten Transformationsökonomie gehört zwingend das Prinzip Pay What You Can. Diana Osterhage zeigt mit Wandelkraft vorbildlich, wie eine Plattform funktioniert, auf der Dienstleistungen konsequent nach diesem Prinzip angeboten werden.
Genau hier liegt die Aufgabe von UNO.TEAM. Wir brauchen nicht die fünfte neue Organisation, die nächste GWÖ oder das x-te Manifest. Wir brauchen die verbindende, orts- und organisationsübergreifende Klammer:
- Niedrigschwelligkeit herstellen: Wie Katharina Elshorst von System Delta richtig betont, müssen wir Barrieren abbauen. UNO.TEAM stellt bestehende Initiativen – von struktur-wandeln.de über das Myzelium bis hin zu lokalen Netzwerken – transparent und vernetzt auf einer gemeinsamen Ebene dar.
- Brücken in den Alltag schlagen: Anstatt wie nebenan.de auf kommerzielles Risikokapital von Großverlagen zu setzen, etablieren wir die Kiez-Reporterin als organisches Werkzeug direkt vor Ort.
- Die Lücke der Finanzierung & Vernetzung schließen: UNO.TEAM führt die verstreuten Fäden zusammen. Wir bauen das System nicht neu, sondern machen die existierenden Inseln füreinander und für die Menschen vor Ort endlich sichtbar und zugänglich.